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<title>Retrofokus</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Retrofokus</span></h1>
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<p>Der Begriff <b>Retrofokus</b> bezeichnet eine besondere Bauweise von <a href="Objektiv_(Optik)" title="Objektiv (Optik)">Objektiven</a> mit künstlich verlängerter <a href="Schnittweite" title="Schnittweite">Schnittweite</a>. Das Wort <i>Retrofokus</i> beschreibt dabei bereits im Kern die wesentliche Eigenschaft dieser Objektive: es leitet sich ab vom <a href="Latein" title="Latein">lateinischen</a> <i><a href="Retro" title="Retro">retro</a></i>: <i>rückwärts, zurück</i> und <i>focus</i>: <i>Feuerstätte, Herd</i>, im übertragenen Sinne <i><a href="Fokus" title="Fokus">Brennpunkt</a></i>. <i>Retrofocus</i> bedeutet übersetzt also: <i>Den Brennpunkt zurücksetzen</i>.
</p>


<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Motivation">Motivation</h2></div>
<p>Bei Einstellung eines Objektivs auf die Entfernung <a href="Unendlichzeichen#Symbolik" title="Unendlichzeichen">„unendlich“</a> entspricht der Abstand zwischen der bildseitigen <a href="Hauptebene_(Optik)" title="Hauptebene (Optik)">Hauptebene</a> des Objektivs und der Bildebene gerade der <a href="Brennweite" title="Brennweite">Brennweite</a>. Wenn das Objektiv aus einer einzelnen <a href="D%C3%BCnne_Linse" title="Dünne Linse">dünnen</a> <a href="Sammellinse" title="Sammellinse">Sammellinse</a> besteht, würde diese genau in der bildseitigen Hauptebene liegen. Bei Objektiven mit sehr kurzer Brennweite kann dieser Abstand für bestimmte technische Anwendungen jedoch zu klein werden. Beispielsweise muss bei einer einäugigen <a href="Spiegelreflexkamera" title="Spiegelreflexkamera">Spiegelreflexkamera</a> zwischen Objektiv und Bildebene noch genug Platz für den <a href="Schwingspiegel" title="Schwingspiegel">Schwingspiegel</a> bleiben. Die Retrofokusbauweise erlaubt es, die <a href="Schnittweite" title="Schnittweite">Schnittweite</a> des Objektivs zu vergrößern, ohne die Brennweite zu verändern. Die Linsen des Objektivs können dabei vor der bildseitigen Hauptebene liegen. Objektive mit Brennweiten, die deutlich kleiner sind als die minimal mögliche Schnittweite des Kamerasystems<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> (bei <a href="Kleinbildkamera" title="Kleinbildkamera">Kleinbild</a>-Spiegelreflexkameras um ca. 38 mm<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, je nach System) fertigt man üblicherweise in Retrofokusbauweise.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Die ersten <i>Retrofokusobjektive</i> nach heutigem Verständnis wurden <a href="1931" title="1931">1931</a> für <a href="Filmkamera" title="Filmkamera">Farbfilmkameras</a> entwickelt, die nach dem Prinzip des Strahlenteilers arbeiteten. Hinter dem Objektiv musste bei diesen frühen Kameras genug Platz für einen <a href="Farbteiler" class="mw-redirect" title="Farbteiler">Farbteiler</a> bleiben. Dadurch wurde der Abstand zwischen Objektiv und Filmebene so groß, dass im Verhältnis zur Brennweiten eine stark verlängerte Schnittweite benötigt wurde.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ein Bedarf zur massenweisen Verbreitung dieses Objektivtyps mit künstlich verlängerter Schnittweite ergab sich aber erst, als nach dem Zweiten Weltkrieg die Kleinbild-Spiegelreflexkamera den Photomarkt zu dominieren begann, für die die bisher bekannten Weitwinkelobjektive nicht eingesetzt werden konnten. Daher wurden etwa zeitgleich in Frankreich und im <a href="Sowjetische_Besatzungszone" title="Sowjetische Besatzungszone">besetzten Deutschland</a> für diese <a href="Kleinbild" class="mw-redirect" title="Kleinbild">Kleinbild</a>-Kameras geeignete spezielle Weitwinkelobjektive der später so genannten <i>Retrofokus</i>-Bauart entwickelt. Zum 13. August 1949 wurde bei <a href="Carl_Zeiss_Jena_(Unternehmen)" title="Carl Zeiss Jena (Unternehmen)">Carl Zeiss in Jena</a> die Rechnung für ein <b>"Flektogon 2,8/35"</b> mm abgeschlossen, das dann erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse im März 1950 präsentiert wurde und im Juli desselben Jahres in Produktion ging.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ebenfalls im Jahre <a href="1950" title="1950">1950</a> wurde von Pierre <a href="Ang%C3%A9nieux" title="Angénieux">Angénieux</a> ein <b>"Angénieux Retrofocus R1 2,5/35"</b> herausgebracht.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dessen ursprüngliche Produktbezeichnung "Retrofocus" konnte sich im Laufe der Zeit als Gattungsbegriff für diese Objektivbauform durchsetzen.
</p><p>Bei den ersten Konstruktionen wurde eine <a href="Linse_(Optik)" title="Linse (Optik)">Streulinse</a> vor ein vorhandenes Objektiv gesetzt, was die Korrektur der Abbildungsfehler schwierig machte, wenn das Weitwinkelobjektiv gleichzeitig lichtstark sein sollte. Der Aufbau eines hochwertigen <i>Retrofokusobjektivs</i> ist aufwändig, aber durch moderne Berechnungs- und Herstellungsmethoden beherrschbar. Der asymmetrische Aufbau und die für große Bildwinkel nötigen großen Frontlinsen machen die Korrektur der <a href="Abbildungsfehler" title="Abbildungsfehler">Abbildungsfehler</a> schwierig. Um auch im Nahbereich eine gute Abbildungsleistung zu erreichen, werden bei hochwertigen Konstruktionen Linsenelemente beim Fokussieren gegeneinander verschoben (<a href="Floating_elements" title="Floating elements">floating elements</a>).
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Retrofokusobjektiv_/_Teleobjektiv"><span id="Retrofokusobjektiv_.2F_Teleobjektiv"></span>Retrofokusobjektiv / Teleobjektiv</h2></div>
<p>Die Retrofokusbauweise ist die Umkehrung der <i>Tele</i>-Bauform (englisch: <i>Telephoto-Design</i>) von Objektiven: <a href="Teleobjektiv" title="Teleobjektiv">Teleobjektive</a> sind kürzer als ihre Brennweite. Beim Teleobjektiv steht erst eine positive Gruppe (Sammellinse) im Strahlengang, gefolgt von einer negativen Gruppe (Zerstreuungslinse), wodurch die Baulänge kürzer als die Brennweite wird (<a href="Fernrohr#Galilei-Fernrohr" title="Fernrohr">Prinzip des Galilei-Fernrohres</a>). Bei Retrofokusobjektiven wird die Reihenfolge umgekehrt, wodurch sich die Baulänge vergrößert.
</p><p>In der fotografischen Praxis hat es sich eingebürgert, den Begriff <i>Teleobjektiv</i> allgemein für Objektive mit einer größeren Brennweite als der <a href="Normalbrennweite" class="mw-redirect" title="Normalbrennweite">Normalbrennweite</a> zu verwenden – auch wenn es sich nicht um eine echte „Tele“-Konstruktion handelt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>

<ul><li><a href="Distagon" title="Distagon">Distagon</a>, Bauart- und Markenbezeichnung für Retrofokus-Objektive der <a href="Carl_Zeiss_(Unternehmen)" class="mw-redirect" title="Carl Zeiss (Unternehmen)">Carl Zeiss AG</a>, Oberkochen</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.vanwalree.com/optics/vignetting.html#natural">Natural Vignetting</a> (englisch)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeiss.de/camera-lenses/de_de/camera_lenses/slr-lenses/distagont2815.html">Zeiss-Webseite zum Distagon 2,8/15 mm</a>, abgerufen am 3. August 2015.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://applications.zeiss.com/C12578B8004E8E1D%2F0%2F5618A894B9BE482EC12578BE0029DB82/$file/planar_t_14_50_ger.pdf">Datenblatt zum Planar 1,4/50 mm mit Contax/Yashica Anschluss</a> PDF, abgerufen am 3. August 2015.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Mellor, Lewis L.: <cite style="font-style:italic">Optical System for Photography</cite>. Patent US1910492, 15.&nbsp;April 1931.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Retrofokus&amp;rft.au=Mellor%2C+Lewis+L.&amp;rft.btitle=Optical+System+for+Photography&amp;rft.date=1931-04-15&amp;rft.genre=book&amp;rft.volume=Patent+US1910492" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Kröger, Marco: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://zeissikonveb.de/start/objektive/wechselobjektive1950er/carl-zeiss-jena/flektogon-2-8-35.html"><i>Flektogon 2,8/35.</i></a> In: <i>Zeissikonveb.</i> 29.&nbsp;März 2024,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 29.&nbsp;März 2024</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ARetrofokus&amp;rft.title=Flektogon+2%2C8%2F35&amp;rft.description=Flektogon+2%2C8%2F35&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fzeissikonveb.de%2Fstart%2Fobjektive%2Fwechselobjektive1950er%2Fcarl-zeiss-jena%2Fflektogon-2-8-35.html&amp;rft.creator=Kr%C3%B6ger%2C+Marco&amp;rft.date=2024-03-29&amp;rft.language=de">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Angénieux, Pierre: <cite style="font-style:italic">Objectif grand angulaire</cite>. Französisches Patent Nr. 1.013.652, 17.&nbsp;Februar 1950.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Retrofokus&amp;rft.au=Ang%C3%A9nieux%2C+Pierre&amp;rft.btitle=Objectif+grand+angulaire&amp;rft.date=1950-02-17&amp;rft.genre=book&amp;rft.volume=Franz%C3%B6sisches+Patent+Nr.+1.013.652" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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